Ernst Jünger: Blick von den Marmorklippen herab

Ernst Jünger (1895 – 1998) polarisiert. Sein 1939 erschienenes Werk „Marmorklippen“ wird immer noch kontrovers diskutiert. Unstreitig ist es eine Parabel auf den Niedergang der Werte und der damit verbundenen Institutionen, die von einer gewalttätigen, totalitären Diktatur übernommen werden. Da die moderne Tyrannei sich auf den Konsens des Volkes stützt, ist kein politischer Widerstand, sondern nur Widerstand „mit reiner Geistesmacht“ möglich. Für Jünger ist dies die Ästhetisierung von Untergang und Vernichtung, denn nur sie gestattet Distanz und die Erinnerung an die Zeit des Glücks.

Der erzählerischen Phantasie Jüngers ebenbürtig ist die Einbildungskraft von Hans Fronius (1903 – 1988). Die klaren Linien von Zeichnung, Holzschnitt und Radierung sind seine Stärken, weniger die Farbe. Geschult an der Ausdruckskraft Kubins, lässt Fronius Schlüsselszenen der Erzählung lebendig werden. Während Jünger jedoch stets souveräne Haltung bewahrt, steht Fronius zu seiner Daseinsangst ohne Boden, die das unausweichliche Schicksal nur in expressiven, kräftigen Linien zum Ausdruck bringen kann. Auch darin ist Fronius seinem Mentor Kubin ähnlich.

Jünger, Ernst: Auf den Marmorklippen. Mit zehn Radierungen von Hans Fronius. Stuttgart, Ernst Klett, [1968]. 117 S., 1 Bl. Mit 10 sign. Radierungen von Hans Fronius auf Tafeln. Gr.-8°, HPergamentband mit goldgepr. Rückentitel, im Original-Pappschuber. 960,00 €

Mühleisen 143. – Eins von 250 num. Exemplaren. Im Druckvermerk von Ernst Jünger signiert. – Buchgestaltung von Carl Kreidel. Gedruckt in der Dante-Antiqua auf Zerkall-Bütten. – Sehr schön erhalten. Beilage: Verlagsprospekt.

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