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HAP Grieshaber

Tod und Jüngling

Als die deutsche Einheit nur noch rituelles Lippenbekenntnis von Politikern war, lebte HAP Grieshaber (1909-1981) diese praktisch. Immer wieder fuhr er in der die DDR, um dort auszustellen, zu signieren, um Kontakte zu pflegen . Ein erster Höhepunkt dieses Engagements war 1966 der Basler Totentanz: 40 Holzschnitte über die Vergänglichkeit menschlichen Strebens, die Dialoge von Albert Kapr in Leipzig in Holz geschnitten, die Farbholzschnitte in den Werkstätten der Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst gedruckt, das Werk in Dresden verlegt. Grieshaber wollte unbequem sein. Unter den Holzschnitt „Love“ schrieb Wolf Biermann eigenhändig Grieshaber gewidmetes und auf Mai 1966 datiertes Gedicht. Im Jahr zuvor war dieser in der DDR mit Publikations- und Auftrittsverbot belegt worden. 

Holzschnitt in 2 Rottönen und Mittelblau mit als Faksimile wiedergegebenem Gedicht von Wolf Biermann in Dunkelblau / Kochi Japanpapier, unten rechts unterhalb der Darstellung signiert. 67 x 52 cm. Fürst 71/56. Gerahmt. € 800.-.


Neu eingetroffen

Massimo Danielis: Blicke auf flächige Formen

tl_files/galeriejoy/buchabbildungen/Danielis 2.jpgEs sind die Gedichte, die den Ton angeben. Eros Schiff lebt im Friaul, in der Nähe von Udine. Das ist auch die Wahlheimat des 1963 in Neuss geborenen Massimo Danielis, dessen Eltern von dort stammen. Visuali, das sind flüchtige Ausblicke: auf die nebelige Küstenlandschaft Friauls, auf die blattlosen Bäume des Winters, auf die unsichtbaren Quellen des Lebens wie den Gesang der Pappeln. Es sind Gedichte von einer tiefen Traurigkeit. Nicht die Dinge und ihre Beziehungen bleiben, sondern nur das Meer und der langsame Atem der Natur. Nur gelegentlich, in der Erinnerung an das Gegenüber eines anderen Menschen, wird die Melancholie durchbrochen.
Die teilweise mit zwei Platte gedruckten Radierungen Massimo Danielis’ verschmelzen mit der Typographie. Die flächigen Formen seiner Illustrationen nehmen die Farben der Gedichte auf: Das Grau des Winters, das Morgenrot, das Blau des Meeres. Wunderbar, wie Eros Schiff in seinem Gedicht „Sulla pittura di M. D.“ die Kunst seines Freundes beschreibt: „Langsam öffnen sich die Formen, und Zentimeter um Zentimeter zeigen sich unerwartete Geometrien, ruhig wie der Atem im Schlaf malen die Schätze des Universums: man erblickt einen verlorenen Reflex, vielleicht einen Traum, eine Schimäre, oder nur die Idee eines entfernten Horizontes.“ 

Schiff, Eros und Massimo Danielis: Visuali. 12 poesie di Eros Schiff incontrano 12 opere grafiche di Massimo Danielis. 2010. 14 Doppelblätter mit Radierungen von Massimo Danielis. 34,5 x 24 cm, lose Doppelbll. in Büttenmappe in grüner Leinenkassette. 950,00 €

Gedruckt von Werner Hiebel, officin albis in Garching, auf 300 g Hahnemühle. Eines von 30 num. Exemplaren. Impressum von Massimo Danielis und Eros Schiff sign.

Bertold Brecht: Legende vom toten Soldaten

Die militaristische Fratze

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Gegen Ende des Ersten Weltkrieges entstanden, beschreibt die Ballade in 19 Strophen zu je vier Versen, wie der gefallene Soldat wieder ausgegraben, für tauglich erklärt und in einem grotesken Maskenzug nochmals in den Krieg geschickt wird. Mit Bitterkeit geisselt Brecht die Allianz von Thron und Altar sowie ihren willfährigen Helfern aus Prostituierten, Ärzten und Geistlichen. Von Brecht selbst zur Gitarre gesungen, am wirkungsmächtigsten vom Barrikaden-Tauber Ernst Busch geschmettert, wird dieses kraftvolle Antikriegslied hier erstmals illustriert. 

Je zwei Strophen bilden eine Handlungseinheit, und zu jeder zweiten Strophe gibt es einen Holzschnitt. Der Betrachter liest die Verse, und auf der gegenüberliegenden Seite gibt es in vier, manchmal in fünf Farben die bildliche Erweiterung dazu. 

Wenn Brecht schreibt, dass es dem Kaiser leid tat, „dass sein Soldat gestorben war“, zeigt die militaristisch erstarrte Fratze, dass der Herrscher und mit ihm die gesamte Obrigkeit kein Mitleid empfanden, und Brechts Verse somit reine Parodie sind. Andere Darstellungen sind Weiterungen von Brechts Versen. Der tote Soldat marschiert bei Marschmusik und von zwei Sanitätern gestützt. In Wendlands Bild tragen die Sanitäter bürgerliche Kleidung und die Musiker scheinen tl_files/galeriejoy/buchabbildungen/Wendland-Brecht3.jpg
einer lateinamerikanischen Combo anzugehören. Anrührend, wie der Soldat abseits steht, während die Menschen tanzen und trinken. Noch sind die Sterne da, doch dann kommt ein Morgenrot, und der Soldat „zieht in den Heldentod“. 

Brecht, Bertolt: Legende vom toten Soldaten. Berlin, 14. Druck von Hanfried Wendland, 1999. 24 nn. Bll. mit 10 ganzs. Farbholzschnitten, einer davon doppelseitig, von Hanfried Wendland. Fol., Ppbd. mit bedruckten Vorsätzen im bedruckten Pappschuber. 1800,00 €

Impressum von Hanfried Wendland sign. und num. Eines von fünf Exemplaren (GA 30 sowie fünf Exemplare E. A.) der Vorzugsausgabe mit einer Extrasuite von neun sowie zwei zusätzlichen im Buch nicht verwendeten Holzschnitten  Diese sind, in einer separaten Mappe, einzeln von Hanfried Wendland sign. und röm. num. - Handsatz von Peter Rensch, Handbuchbindung von Christian Klünder. - Zustand tadellos.

Max Ernst: die Frau mit 100 Köpfen oder ohne Kopf?

Schon 1921 hatte André Breton den Dadamax zu seiner ersten Einzelausstellung in die Pariser Galerie Au Sans Pareil eingeladen. Ein Jahr später verliess Max Ernst endgültig Deutschland und ging nach Paris. Von da an gehörte er zum Kreis der Surrealisten.

Für die Surrealisten gibt es nur eine Gewissheit. Nichts ist eindeutig. Das zeigt Max Ernst schon im Titel seinen ersten Collagenromans: mit 100 Köpfen oder ohne (sans) Kopf? Die Frau auf dem Umschlag ist zumindest ohne Kopf. Auch Wortspiele mit „s’entête“ oder „sang tête“ sind denkbar.

Aus Holzstichillustrationen des 19. Jahrhunderts schuf Max Ernst Collagen, in denen disparate Elemente zusammenkommen, ohne ein erzählbares Ganzes zu bilden. Der Holzstich gibt ein gleichmässiges Druckraster. Kein Element dominiert das andere, es gibt keine Verbindungen und keine Abhängigkeiten. Wie Breton ist seinem Vorwort „an den Leser“ ausführt, ist es das ideale Bilderbuch für die Moderne. Die ursprüngliche Bedeutung der Illustrationen zerstört Max Ernst. Nur der Betrachter kann eine Ordnung, einen Kontext herstellen. Dass jede Collage einen Titel trägt, erleichtert das Verständnis nur teilweise, da die Suche nach einem Sinnzusammenhang immer wieder ins Leere läuft.

Ernst, Max: La femme 100 têtes. Avis au lecteur par André Breton. Paris, Éditions du Carrefour, 1929. 21 nn. S., 147 Tafeln. Gr.-8°, Broschur. 2500,00 €

Eines von 900 Exemplaren auf vélin teinté (GA 1003 Ex.).