Der König kommt zu Besuch

Es war eine Sensation, als Ludwig XV. (1710-1774), zu seinen Lebzeiten „le Bien Aimé“ genannt, im Oktober 1744 für fünf Tage nach Straßburg kam. Die Stadt war seit 1681 französisch, war keine freie Reichstadt mehr, sondern direkt dem König unterstellt, und die Bevölkerung war noch immer protestantisch und von deutscher Kultur geprägt. Ludwig befand sich auf einem Kriegszug im Rahmen des österreichischen Erbfolgekrieges, der zur Belagerung und Besetzung Freiburgs i. Br. führte. Zuvor er in Metz lebensgefährlich erkrankt, mehrere Wochen rang er mit dem Tod. So sollte der Besuch in Straßburg einmal die Genesung des guten Königs feiern, zum anderen aber auch die Loyalität der Stadt zur Schau stellen. Der König bekam Programm geboten: Umzüge, Spiele Tanz, Musik, Bankette, Feuerwerk. Die Balkone der Häuser waren voll mit Schaulustigen. Wer klein war, hatte eine Leiter mitgebracht, um besser sehen zu können. Das Münster wurde illuminiert, so dass es aus Kristall schien. Aus zwei Brunnen in Schwanengestalt spritzte der Wein in die Pokale, man sollte trinken, um die Übel der Welt zu vergessen.

Weis, Johann Martin: Reprèsentation des fêtes données par la ville de Strasbourg pour la convalescence du roi; à l’arrivée et pendent le séjour de Sa Majesté en cette ville. Paris, Aubert, s. d. [1745]. Gest. Titel mit Bordüre, gest. Porträt von J. G. Will nach C. Parrocel und J. Chevalier sowie 11 doppelblattgr. Kupfertafeln, meist von J. Ph. Le Bas nach J. M. Weis, 20 gest. Textseiten mit wechselnden Bordüren und 2 grossen Vignetten. Imp.-Fol. (63 x 48,5 cm), Leder der Zeit mit goldgepr. Wappensupralibros Ludwigs XV.   6800,00 €

Lipperheide Sg 20. Ornamentstichslg. Berlin 3015. Vinet 520. Cohen-R. 870. Lotz S. 63 und 122. – Die Tafeln des bekannten, zur Genesung Ludwigs XV. und seines Einzugs in der Stadt Strassburg im Oktober 1744 verfaßten Festwerkes zeigen das Porträt des Königs zu Pferde, seine Ankunft vor den Toren der Stadt, seinen Einzug durchs Stadttor, die prunkvollen Feiern auf verschiedenen Plätzen (z. B. vor dem Münster), ein Feuerwerk auf der Ill, die nächtliche Beleuchtung des Münsters sowie Ansichten von Straßenzügen und Hauptplätzen der Stadt. Das Münster und der Bischofspalast werden in mehreren Ansichten gezeigt. Durch die detailreiche Staffage sind die Tafeln auch kostümgeschichtlich aufschlußreich. Die Geschichte des Werks wurde von Jacques Hatt in einem monographischen Aufsatz dokumentiert (in: Archives alsaciennes d’histoire de l’art 1923, S. 140-166). – Von dem Prachtwerk wurden einige Exemplare „aux armes de Louis XV.“ (Olivier 2495, 10) in Leder gebunden. Diese waren wohl für hochrangige Empfänger bestimmt. In unserem Fall weist das innere fliegende Vorsatzpapier, das bei einer Restaurierung im späten 19. Jahrhundert ergänzt worden ist, das blindgeprägte Wappen des Bischofs von Vanne (Bretagne) auf. – Die Tafel mit der Gesamtansicht des Münsters mit einigen Restaurierungen und Hinterlegungen im Rand, Portr. rechts angerändert, Tafel 1 mit größerem restaurierten Randeinriß und kleinerem unrestaurierten Einriss; mehrere restaurierte Brüche an den Plattenrändern, einzelne Quetschfalten, stellenw etw. fleckig, breitrandig. Fehlstelle auf dem VDeckel und bestossene Kanten fachgerecht restauriert

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