Astronom und vor allem Ethnograph: Sibirien

Chappe d’Auteroche (1722 – 1769) widmete sich, nach seiner Ausbildung zum Geistlichen, der Astronomie. Von der Académie des sciences hate er den Auftrag, in Tobolsk in Sibirien den nächsten der äußerst seltenen Venusdurchgänge vor der Sonne zu beobachten, den Halley auf den 6. Juni 1761 bestimmt hatte. Er verließ im November 1760 Paris und machte sich auf seine beschwerliche, über 5000 km lange Reise. Zuerst begab er sich nach Sankt Petersburg und reiste von dort in nur einem Monat per Schlitten nach Tobolsk, wo er mit seinen Instrumenten am 10. April 1761 ankam. Nach der raschen Errichtung eines kleinen Observatoriums und der Durchführung einer Positionsbestimmung vermochte er am folgenden 6. Juni dank klaren Himmels den gesamten Venustransit zu beobachten. Er bereiste auch einen beträchtlichen Teil des asiatischen Russlands, hielt sich längere Zeit in Tobolsk und Kasan auf und kehrte im August 1762 nach Frankreich zurück.

Neben der Astronomie und der Topographie interessierte ihn das Alltagsleben der Bevölkerung. Die Armut der Bevölkerung erschütterte ihn, und keine Kleinigkeit ist ihm unwichtig, wenn es darum geht, die Primitivität der Lebensverhältnisse darzustellen. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass seine Schlussfolgerung, Russland habe mehr Moraste und Wüsten als bevölkerte Städte und fruchtbare Felder die Missbilligung des Zarenhofs, namentlich Katharinas II., hervorriefen.

Chappe d’Auteroche, Jean: Voyage en Siberie, fait par ordre du Roi en 1761, contenant les moeurs, les usages de Russes, et l’état de cette puissance, la description géographique &le nivellement de la route de Paris à Tobolsk. 2 in 3 Textbänden sowie 1 Atlasband (zusammen 4 Bände). Paris, Debure , 1768. 2 Bll., XXX S., 1 Bl., 347 S. / 2 Bll., S. 348-677 (recte 767) / XVI, 627 S., 2 Bll.  Mit insges. 2 gest. Frontisp., gest. Titelvignette, 1 Kopfvignette, 1 gest. Tabelle, 3 gest. Flusslaufkarten, 53 (4 doppelblattgr.) Kupfertafeln sowie 30 auf 23 meist doppelblattgr., teils gefalt. und grenzkol. Kupferlarten und -plänen. Gr.-8° – 35 x 26,5 cm (Textbände) und Imp.-Folio –  59.5 x 48 cm (Atlas), marmorierte Kalbslederbände der Zeit auf 6 Bünden, Rücken mit 2 goldgepr. roten Moroquinschildnern und reicher floraler Goldprägung, Rotschnitt, marmorierte Vorsätze. 10000,00 €

Cox I, 352; Rohen/R. 225; Wellcome II, 326; Henze I, 557. –  Erste Ausgabe, komplett, breitrandig und außergewöhnlich gut erhalten, auf starkem Büten gedruckt. – Exlibris (‚Raye de Breukeler-Waert – Generalgouverneur von Surinam, Thomas Westwood – Dichter und Bibliograph sowie Feuerbacher Heide – Hans L. Merkle); Kapitale restauriert, Rückenbezug des Atlasbandes im Stil der Textbände erneuert. – Die Kupfertafeln nach Moreau le Jeune, le Prince, Caresme de Fécamp u. a., gestochen von Tillard, Duclos u. a., zeigen Landschaften, Trachten, Schlitten, Festlichkeiten, Jagdszenen, Badeinterieur, Bestrafungen, Alltagsszenen, Vulkanausbrüche u. v. a. – Der Atlas enthält Karten der Reiseroute von Brest über Paris, Wien, Warschau, Riga, St. Petersburg bis nach Tobolsk; weiter gibt es eine Gesamtkarte von Russland, 1 doppelblattgr. Uralkarte, 2 Karten von Kamtschka, 1 Karte der Kurilen sowie Profilkarten.

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